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Professionelle Testmanager einsetzen/aufbauen
Eines der Ergebnisse der CHAOS Studie war die Feststellung, dass professionelle und gute ausgebildete Projektmanger erheblich zum Projekterfolg beitragen. Ähnliches gilt „im Kleinen“ für die Durchführung von Tests und damit für die Qualitätssicherung des Projektprodukts (Software) und damit für die Erreichung der Abnahme.
Während sich inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass man für die Durchführung von Projekten spezielle Führungskräfte benötigt – eben Projektmanager - finden auf der anderen Seite die Maßnahmen zur Qualitätssicherung weniger Beachtung. Qualitätsmanagement ist eines der Kernwissensgebiete des Projektmanagement. Es bedeutet jedoch nicht unbedingt, dass der Projektmanager sich auch gut im Bereich der Testmethode auskennt.
Daher kann es sinnvoll sein, die Testvorbereitung und Testdurchführung im Projekt professionell zu betreuen.
Man sollte sich immer vor Augen halten, was Test für das Projektergebnis bedeutet: Es ist die Vorbereitung der Abnahme durch den Kunden. Daher muss schon die Aufnahme der Abnahmekriterien (hier: Testfälle) sehr strukturiert und vollständig durchgeführt werden. Dies erfordert Methodenwissen im Bereich Test und ein gutes Durchsetzungsvermögen.
Ein weiterer Aspekt ist der Zielkonflikt zwischen Produkterstellung und Qualitätssicherung: Während der Projektmanager rein psychologisch irgendwann in den get-it-done!-Modus (Werdet endlich fertig!) umschwenkt, ist es dringend erforderlich, dass es ein Gegengewicht in Form eines professionellen Testmanagers gibt, der bis zu letzt im get-it-right!-Modus (Macht es richtig!) bleibt. Dies bedeutet nicht: „Qualität um jeden Preis!“, aber wenn Termine eingehalten werden müssen, muss am Ende zumindest eine qualitativ vollständige Bewertung der Software vorliegen und die Risiken einer evtl. „verfrühten“ Produktivschaltung müssen den Entscheidern bekannt sein. Dies kann ein professionelles Testmanagement leisten.
Bei Unternehmen, mit einem hohen Anteil von Softwareentwicklungsprojekten, lohnt sich daher der Aufbau einer professionellen Testmanagement Abteilung, sowie der damit verbundene Ausbildungsaufwand.
Vereinfacht gesagt sind Testmanager Menschen mit Projektmanagement und mit Test-Ausbildung. Eine Doppelzertifizierung steht ihnen gut zu Gesicht.
Positionierung des Testmanagements
Die Positionierung des Testmanagement im Unternehmen und im Projektgeschehen kann sich auf den Erfolg des Testmanagements auswirken.
Bedingt durch die Tätigkeit selbst passiert es, dass die Tester und Testmanager genau dann Beachtung durch das Management erfahren, wenn ein Projekt schlecht läuft. Läuft ein Projekt gut, bekommt die Lieferantenseite (Entwickler & Projektmanager) die volle Aufmerksamkeit des Managements.
Eine schwache Vertretung des Test-Gedankens beim Management großer Unternehmen hat einige unangenehme Seiteneffekte:
Immer nur bei Problemen vom Management Beachtung zu finden ist nicht motivierend für die Testmannschaft. Gute Mitarbeiter wählen ggf. mit den Füßen – sie finden auch Unternehmen einen Job, wo ihre Arbeit gewürdigt wird.
Für den Projekterfolg ist es oft notwendig, wenn der Testmanager das nötige Standing hat um Liefertermine durchzusetzen oder zumindest die Priorisierung des Kunden bei der Entwicklung durchzusetzen. Gleiches gilt für andere konstruktive und analytische QS Maßnahmen, die der Testmanager durchsetzen muss, wenn er insgesamt gute Ergebnisse von der Entwicklungsseite bekommen möchte. Ist dies nicht der Fall, gefährdet dies den Projekterfolg.
Wird professionelles Testmanagement zur Chefsache erklärt und auch so im Unternehmen kommuniziert, dann ist der Testerfolg leichter zu erreichen. Daher sollte es immer einen Machtsponsor für Testmanagement im Unternehmen, bzw. für das spezielle Projekt geben. Während der einzelne Testmanager in seinem die Nähe zum Machtsponsor suchen kann, würde eine strukturelle Positionierung des Testmanagements auf Augenhöhe mit dem allgemeinen Projektmanagement die Arbeit für alle Projekte im Unternehmen erleichtern.
Testmanagement Methode festlegen
Bezüglich der Methode gilt für Testmanagement das selbe, wie für Projektmanagement: Es ist gut eine zu haben!
Es gibt verschiedene Aspekte, die für den Einsatz einer unternehmensweiten Testmethode sprechen:
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Einheitliches Reporting über mehrere Projekte, bzw. projektübergreifendes Reporting
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Vermeidung von Missverständnissen durch Schaffung eines gemeinsamen Wortschatzes
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Ermöglichen einer Lernkurve für neue Mitarbeiter im Bereich Test (sonst wird alles ständig neu erfunden)
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Verbesserung der Gesamtergebnisse in der Softwareentwicklung durch Implementierung einer Testkultur
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usw.
Eine wichtige Empfehlung an dieser Stelle ist: Erfinden sie das Rad nicht neu.
Es gibt jede Menge Prozessmodelle und Verfahren zum Thema Test und Testmanagement. Nehmen sie bitte bestehendes Verfahren; dieses wird sowieso an die Bedürfnisse in ihrem Unternehmen angepasst. Der IEEE 829 Standard (incl. seiner deutschen Übersetzung) ist beispielsweise eine gute Stelle um damit anzufangen, die Ergebnisdokumente und den Wortschatz für Test für ihre Unternehmen zu vereinheitlichen. Viele Unternehmen haben bereits eine Projektmanagementmethode in ihrem Unternehmen etabliert. Docken sie die Testmanagement-Methode möglichst nahtlos daran an, um Reibungseffekte und Kompetenzstreitigkeiten mit dem Projektmanagement zu vermeiden.
Es hilft wenig, den IEEE Teststandard mit dem Firmenlogo zu versehen. Sie muss an die konkreten Bedürfnisse des Unternehmens, die konkreten Ansprechpartner, usw. angepasst sein. Außerdem muss die Methode auf die jeweiligen Projekte zuschneidbar sein. (Als Kriterium die Projektgröße in Euro vorzugeben mag nicht zielführend sein.) Eine Testmanagement-Methode muss auch strukturiert eingeführt werden. Es macht Sinn, dies beispielsweise auf Basis von Pilotprojekten zu machen.
Testmanagement Tools
Iin aller Regel lohnt sich der Einsatz eines professionellen Testtools (organisatorisches Testtool). Der Mehrwert ergibt sich aus einer geordneten Sammlung der Aktivitäten und Artefakte der Testvorbereitung und Testdurchführung. Außerdem lassen sich die Test-relevanten Tätigkeiten mit einem Prozess hinterlegen.
Hinweis: Daneben gibt es noch die technischen Testtool (Testautomatisierung, Lasttestmessung, etc.); deren Einführung lohnt sich abhängig von der Art der Projekte und des Unternehmens.
Dem Nutzen der Testtools steht natürlich immer die Kosten entgegen. Gerade das markt-führende Tool „HP Quality Center“ kann oft nur von entsprechend großen Firmen verwendet werden. Es gibt noch eine Reihe freier Tools, welche dann aber oft einen eingeschränkten Funktionsumfang haben. Verbreitete Tools haben natürlich auch den Vorteil, dass sie wesentlich leichter an Know How kommen, wenn sie es für ihr Projekt zukaufen müssen. (Das gilt sowohl für Tool-bewanderte Testmanager, als auch für Tooltrainer oder Tool-Administratoren. )
Ein wichtiger Aspekt beim organisatorischen Testmanagement-Tool ist die Einführung und die unvermeidliche Softwareanpassung. HP Quality Center biete eine Vielzahl von Möglichkeiten, dass Tool zu nutzen und anzupassen. Hier besteht die Gefahr, dass die Projekte im Unternehmen „eigene Wege“ gehen, welches bei späteren gemeinsamen Projekten schwer macht wieder „zusammen zu finden“. (Beispielsweise wenn eine Reihe von Applikationen in einem Technologie- oder Migrationsprojekt gemeinsam getestet werden muss.)
Daher sollten die Anpassungen – genauso wie alle anderen Softwareentwicklungen im Unternehmen – von einem guten Softwarearchitekten geprüft werden. Einer sollte den „Griff“ auf das Datenmodell behalten und Wildwuchs radikal eindämmen. In der Regel reicht EIN Prozessmodell für alle.
Eine zentrales Applikationsmanagement für das Testmanagement Tool, welches über reine Lizenzverwaltung hinausgeht, lohnt sich auch um beispielsweise zentral Schulungsunterlagen zu erstellen, Einweisungen durchzuführen oder die Hoheit über den Testprozess allgemein zu halten.
Hinweis: Haben Sie selbst bereits Erfahrungen mit Testtools gesammelt? Lassen sie es uns über die Kommentarfunktion wissen.
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